Im Portrait - Ulrike Brunnlechner - Kulturkessel
Hallo Frau Brunnlechner, es freut mich, dass Sie Zeit für ein Interview mit narteo gefunden haben. Schön, dass Sie hier sind. Wir möchten mit narteo die Kunst und Kultur in der Region noch deutlicher sichtbar machen und erfahren, welche persönlichen Ziele Sie mit Ihrem Verein Kulturkessel verfolgen. Aber auch über Ihre Motivation und ganz konkret über Ihren Verein sprechen.

narteo: Könnten Sie uns bitte kurz erzählen, wer Sie sind und was Sie motiviert, sich für den Kulturkessel Trostberg zu engagieren?
Mein Name ist Ulrike Brunnlechner. Ich bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Ich war 30 Jahre im Schuldienst tätig und zwischendurch auch als Musikschullehrerin.
Ich bin Gründungsmitglied des Kulturkessels. Mich hat von Anfang an die Idee fasziniert, im ländlichen Raum kulturellen Ideen und Talenten die Möglichkeit zu geben, sich zu präsentieren, sie zu fördern und Menschen zusammenzubringen. Hier auf dem Land muss man sich eben oft selbst um Kultur kümmern.
narteo: Wie würden Sie unseren Leserinnen und Lesern den Kulturkessel beschreiben?
Der Kulturkessel ist ein Verein, der sich besonders darum bemüht, kulturelle Leckerbissen abseits des Mainstreams anzubieten. Das charakterisiert uns am besten.
Wir bieten verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit, sich dem Publikum zu zeigen, sei es in den Bereichen Musik, Literatur, bildende Kunst oder Film. Gleichzeitig ermöglichen wir kulturinteressierten Menschen, gemeinsam Veranstaltungen zu erleben und sich im Gespräch darüber auszutauschen.
narteo: Der Kulturkessel bietet jedes Jahr eine Vielzahl von Veranstaltungen in Trostberg an. Gibt es eine bestimmte Zielgruppe, die Sie damit besonders ansprechen möchten?
Nein, wir wenden uns an alle, die sich für Film, Theater, Musik und bildende Kunst interessieren.
Gerne würden wir auch ein jüngeres Publikum ansprechen. Über die Jahre haben sich jedoch Programmschwerpunkte herausgebildet, die eher die ältere Generation ansprechen.
narteo: Die Schwerpunkte Ihrer Veranstaltungen liegen heute vor allem auf Jazz und Oper. Wie ist es Ihnen gelungen, diese beiden Richtungen über mehrere Jahrzehnte hinweg erfolgreich im Verein zu vereinen?
Das Angebot war anfangs sehr vielfältig, so wie man es sich bei einem Kulturkessel vorstellt. Es gab Film, Literatur, einen Literaturkreis, Kunstausstellungen, Theateraufführungen und vieles mehr.
Durch Personalnot im Vorstand mussten wir das Programm im Laufe der Zeit etwas verkleinern. Außerdem gibt es inzwischen in Trostberg durch das Kulturamt, den Postsaal, Programmkino und die Kunstmeile viele andere Angebote, sodass einige unserer ursprünglichen Tätigkeitsfelder weggefallen sind.
Seit der Neueröffnung des Kinos im Jahr 2011 hat sich Herr Loster sehr dafür interessiert, dass bei ihm im Haus kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Wir haben dann begonnen, Oper und Jazz im Kino auszuprobieren.
Dabei spielten auch persönliche Interessen eine Rolle. Mein Mann ist Opernfan. Für mich waren die Jazzveranstaltungen im Burgcafé in Tittmoning ein großes Vorbild. Nachdem es diese dort nicht mehr gab, habe ich versucht, etwas Ähnliches in Trostberg zu etablieren.
Dass diese Reihen so gut funktionieren, liegt meiner Meinung nach an der Beständigkeit und Regelmäßigkeit sowie an dem engen Kontakt zum Publikum, den wir von Anfang an gesucht haben.

Beim Jazz achte ich besonders darauf, dass verschiedene Richtungen dem Publikum zugänglich bleiben. Wir bevorzugen also den harmonischen, melodiösen Jazz, den Swing, Bossa Nova, den Blues getränkten Jazz. Sehr experimenteller Jazz oder Cool Jazz stehen weniger im Mittelpunkt.
Bei der Oper waren wir selbst überrascht von dem großen Interesse. Viele Menschen können es sich heute nicht mehr leisten, weit zu fahren oder teure Karten zu kaufen. Bei uns können sie stattdessen Opernfilme oder Live-Aufzeichnungen aus den großen Opernhäusern im Kino sehen, für kleines Geld und mit sehr guter Klangqualität.
Bei den Opernfilmen entstehen die musikalischen Aufnahmen im Studio, die Sänger spielen auf der Bühne ihre Rollen nach. Durch die gute technische Ausstattung des Kinos entsteht dabei eine sehr hohe Klangqualität.
narteo: Welche Veranstaltung im Kulturkessel Trostberg war für Sie persönlich die schönste und warum?
Diese Frage zu beantworten fällt mir wirklich sehr schwer. Nach mehreren hundert Veranstaltungen möchte ich eigentlich keine einzelne als die beste hervorheben.
Es gab aber eine, die auch unserem Publikum sehr in Erinnerung geblieben ist. Die Weihnachtskonzerte mit Dwight Trible im Dezember 2013 und 2015. Er ist neben Gregory Porter einer der bekanntesten amerikanischen Jazzsänger. Er war zufällig in der Gegend und Paul Zauner hat den Kontakt vermittelt.
Das war eine Matinée im Kino mit Weihnachtsgospel Songs, großartigen Musikern und einer wunderbaren Atmosphäre. Seine Stimme war wirklich überragend.
Auch im Opernbereich gab es eine besondere Veranstaltung mit Gerhard Siegel, einem weltweit gefeierten Opernsänger, der aus Trostberg stammt. Er war bei uns zur Vorführung von Siegfried eingeladen und hat dabei auch seinen Werdegang geschildert. Das war ebenfalls eine sehr eindrucksvolle Veranstaltung.
narteo: Zum 30jährigen Jubiläum des Kulturkessels gratulieren wir Ihnen herzlich. Welche Möglichkeiten haben interessierte Leserinnen und Leser, sich in Ihrem Verein zu engagieren?
Jeder kann sich einbringen, indem er Ideen entwickelt und bei der Umsetzung mithilft.
Wir haben zum Beispiel noch einige schlummernde Ideen. Eine davon wäre eine Veranstaltung unter dem Titel Sprechende Häuser, bei der einzelne Gebäude in Trostberg vorgestellt werden, mit ihrer Geschichte, vielleicht kombiniert mit Musik.
Wir wären auch sehr offen für Kooperationen mit anderen Vereinen. Wer Interesse hat ist herzlich eingeladen.

narteo: Abschließend noch eine letzte Frage. Auf welche kommenden Veranstaltungen dürfen sich unsere Leserinnen und Leser im Kulturkessel besonders freuen?
Als nächstes steht im April ein Jazzkonzert mit dem Trio Peter Weiss an.
Unsere Jazzveranstaltungen finden immer am dritten Sonntag im Monat von 11 bis 13 Uhr im Kino Trostberg statt. Es ist eine Konzertatmosphäre mit Pause dazwischen. Währenddessen kann man Kaffee trinken oder frühstücken. Man sitzt gemütlich, kann sich austauschen und auch mit den Künstlern ins Gespräch kommen. Es ist eine sehr persönliche, fast wohnzimmerartige Atmosphäre.
Zu unserem Jubiläum am 3. Juli um 19.30 Uhr im Postsaal sind ebenso alle herzlich eingeladen. Gezeigt werden drei kürzere Stummfilme mit Live Klavierbegleitung von Chenny Gan. Es gibt außerdem ein Buffet. Der Eintritt ist frei, wir freuen uns über Spenden.
narteo: Frau Brunnlechner, ich bedanke mich recht herzlich für das Gespräch und wünsche Ihnen und Ihrem Verein, weiterhin tolle Veranstaltungen und schöne Erlebnisse.