Im Portrait - Dr. Johanna Steiner - Stadt Trostberg

narteo: Frau Dr. Steiner, könnten Sie sich unseren Leserinnen und Lesern zunächst kurz vorstellen? Wer sind Sie, und was motiviert Sie persönlich, sich im Bereich Kultur zu engagieren?

Johanna Steiner vor Postern narteo Interview am 19.03.27 im Postsaal - Künstlerbereich

Ich bin Leiterin des Kulturamts in Trostberg, gebürtige Trostbergerin und komme aus Lindach. Ich kenne die Strukturen vor Ort recht gut und habe viele Entwicklungen selbst miterlebt. Ich bin promovierte Musikwissenschaftlerin und 2013 wieder nach Trostberg zurückgekehrt. Seit rund zehn Jahren arbeite ich im Kulturamt.

Meine persönliche Motivation ist sehr hoch – das ist für mich kein Job, den man einfach „absitzt“, um Geld zu verdienen. Ich bin fest davon überzeugt, dass Kultur und Kunst essenziell für eine stabile Gesellschaft sind, und deshalb mache ich meine Arbeit sehr gerne. Ich stehe voll hinter unserer Arbeit und den Maßnahmen sowie hinter dem, was kulturell in Trostberg passiert.

narteo: Sie leiten den Arbeitsbereich Kultur der Stadt Trostberg. Welche Aufgaben und Themen fallen konkret in Ihren Zuständigkeitsbereich?

Das sind sehr vielfältige Aufgaben und Themen. Zu den Kernthemen gehört die Veranstaltungsplanung im Kulturzentrum Postsaal – das ist unser Hauptbereich.

Dem Kulturamt angegliedert sind außerdem das Stadtmuseum sowie die Musikschule. Beide Institutionen arbeiten eigenständig, sind aber verwaltungstechnisch dem Kulturamt zugeordnet.

Darüber hinaus organisieren wir große Veranstaltungen wie das Altstadtfest, die Kunstmeile oder den Weihnachtsmarkt. Wir kümmern uns um Skulpturen, Denkmäler und Kunstwerke im öffentlichen Raum sowie um Projekte wie den geplanten Kulturpfad.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Kulturförderung: Wir beschäftigen uns damit, welche Fördermittel wir für eigene Projekte oder für Gruppen in der Stadt generieren können und wo entsprechende Förderungen abrufbar sind.

Hinzu kommen Gremienarbeit, die gute Zusammenarbeit mit dem Stadtrat und vor allem mit dem Kulturbeirat, der eine beratende Funktion hat. Auch die Vernetzung mit anderen Kulturpartnern – etwa im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage – spielt eine große Rolle.

Ein erheblicher Teil unserer Arbeit ist Verwaltungsarbeit. Gleichzeitig geht es aber auch viel um den Kontakt zu Menschen und Künstlern – bis hin zu ganz praktischen Dingen wie dem Kartenverkauf.

Kultur-Programm Trostberg April bis Juli 2026

narteo: Wie hat sich aus Ihrer Sicht die Kulturlandschaft in Trostberg in den vergangenen 20 Jahren verändert?

Das ist eine interessante Frage, gerade wenn man mittendrin steckt. Ich denke, dass sich allgemeine Entwicklungen in Trostberg auch auf das Kulturleben auswirken.

Ein Meilenstein in der kulturellen Entwicklung war in den letzten Jahrzehnten die Modernisierung des Postsaals und die Entscheidung, ein Kulturamt einzurichten. Das gab es vorher nicht. Damit wurde Kulturentwicklung überhaupt erst institutionalisiert – und es war ein klares Bekenntnis des Stadtrats, dass Kultur einen Wert hat.

Es gibt aber auch Entwicklungen wie den Rückgang des Einzelhandels in der Altstadt. Das wirkt sich ebenfalls auf das kulturelle Leben aus – wie in einem Biotop: Wenn irgendetwas im Gesamtgefüge sich verändert, hat das auch Auswirkungen auf alle anderen Bereiche. Wenn weniger Gastronomie und Einzelhandel vorhanden sind, gibt es auch weniger soziale Interaktion und damit weniger kulturelle Ereignisse.

Eine deutliche Zäsur war Corona. Insgesamt hat Trostberg diese Zeit aber gut überstanden und ist sogar gestärkt daraus hervorgegangen. Der Postsaal hat nach der Pandemie wieder sehr gute Besucherzahlen.

Wichtig ist aber, dass das Trostberger Kulturleben natürlich nicht nur aus Postsaal und Stadtmuseum besteht, im Gegenteil. Wenn nur das Kulturamt Kultur machen würde, wäre das eine ziemlich starre Angelegenheit. Ohne private Akteure und ehrenamtliches Engagement geht gar nichts. Eine lebendige Gesellschaft zeigt sich auch daran, wie viele Menschen aktiv Kultur gestalten.

In Trostberg sind wir da gut aufgestellt: Es gibt ein tolles Kino, um das herum sich viele Gruppierungen bilden, die Stadtbühne, verschiedene Vereine, private Theater- und Musikgruppen sowie die Kunstvereinigung. Sie alle sind unterschiedlich, aber sie verbindet die Freude an Kunst und Kultur und der Wunsch, sich aktiv am Stadtleben zu beteiligen und es mitzugestalten. Das ist ein großer Mehrwert für die Stadt.

Natürlich wäre immer noch mehr möglich. Gleichzeitig sieht man, dass Vereine es heute oft schwerer haben als früher – das wirkt sich auch auf die Kulturszene aus. Trotzdem ist das Vereinsleben weiterhin rege.

Martina Knott Ausstellung Postsaal Trostberg - abgelichtet für Narteo-Interview
Ausstellung im Postsaal (Bild: Martina Knott)

narteo: Welchen persönlichen Mehrwert bietet eine lebendige und vielfältige Kunst- und Kulturlandschaft aus Ihrer Sicht für eine Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger?

Kultur entsteht immer dort, wo Menschen zusammenkommen, miteinander kommunizieren und sich austauschen. In Kulturveranstaltungen werden Erlebnisse verarbeitet – manchmal ganz direkt, manchmal indirekt. Dieser reflektierende Prozess ist ein zentraler Punkt, warum Kultur für eine Gesellschaft so wichtig ist.

Nehmen wir zum Beispiel eine Vernissage: Sie ist ein sozialer Raum, in dem unterschiedliche Menschen und Gruppen zusammenkommen – Familien, Interessierte, Kunstschaffende. Auch Menschen, die vielleicht sagen „Kunst ist nicht so mein Thema“, sind dort an einem Ort vereint.

Gerade wenn dieser Ort neu ist, entsteht ein neuer Raum der Begegnung. Menschen, die sonst nichts miteinander zu tun haben, kommen ins Gespräch, tauschen sich aus und erleben Gemeinschaft. Kultur bringt Menschen zusammen, fördert den Dialog und stärkt den sozialen Zusammenhalt einer Stadt.

narteo: Viele unserer Leserinnen und Leser sind selbst angehende Künstlerinnen, Künstler oder Kulturschaffende. Welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit sehen Sie zwischen ihnen und dem Arbeitsbereich Kultur der Stadt Trostberg?

Es gibt viele Anknüpfungspunkte.

Wir können beispielsweise bei Förderfragen unterstützen oder dabei helfen, passende Orte für Projekte zu finden. Formate wie die Kunstmeile bieten ebenfalls Möglichkeiten zur Zusammenarbeit.

Zudem gibt es Überschneidungen zwischen verschiedenen Initiativen und Formaten wie dem Trostberger Fenster, der Kunstmeile oder dem Atrium. Diese Bereiche befruchten sich gegenseitig und eröffnen neue Chancen für Künstlerinnen und Künstler.

narteo: Was würden Sie einem jungen Menschen sagen, der künstlerisches Talent besitzt, sich aber noch nicht traut, seine Arbeiten öffentlich zu zeigen?

Ich glaube, das ist sehr individuell. Viele Künstlerinnen und Künstler stellen zunächst den kreativen Prozess in den Vordergrund und haben gar nicht unbedingt das Bedürfnis, ihre Arbeiten sofort zu zeigen.

Wenn aber der Wunsch da ist und gleichzeitig Unsicherheit besteht, würde ich raten: einfach ausprobieren. Man kann sich zum Beispiel an einen Kunstverein oder andere Künstler wenden oder an Gemeinschaftsausstellungen teilnehmen.

Formate wie die Trostberger Fenster sind ein guter Einstieg, weil sie eine gewisse Unkompliziertheit bieten – man steht nicht sofort im Mittelpunkt, erreicht aber trotzdem viele Menschen.

Wichtig ist in den meisten Fällen wahrscheinlich, kleine Schritte zu gehen und zu schauen, wie es sich anfühlt – sowohl die eigene Aktion als auch die Reaktion darauf.

Martina Knott - Ausstellung Postsaal 2026 März, entstanden zu Narteo-Interview mit Dr. Johanna Steiner
Ausstellung im Postsaal (Bild: Martina Knott)

narteo: Wenn der Arbeitsbereich Kultur über unbegrenzte finanzielle Mittel verfügen würde: Welches kulturelle Projekt würden Sie für Trostberg besonders gerne realisieren?

Das ist eine schwierige Frage – der Kopf ist voll mit Ideen und Projekten. Gleichzeitig liegt es nicht nur am Geld: Wir haben ein gut aufgestelltes Kulturamt und ich bin sehr dankbar für die Möglichkeiten, die wir haben. Wenn man neue Projekte hätte, kämen auch die personellen Ressourcen an ihre Grenzen.

Natürlich gäbe es dennoch Ideen: Ein Festival mit guten Bands in der Altstadt zum Beispiel oder eine vielfältige Erweiterung der Kunstmeile in Richtung Land Art.

narteo: Zum Abschluss ein Blick nach vorn: Auf welche Kulturveranstaltungen in Trostberg dürfen sich unsere Leserinnen und Leser in diesem Jahr noch besonders freuen?

Gerade erst wurde das neue Postsaal-Programm bis August vorgestellt – mit vielen tollen Veranstaltungen. Ich finde dieses Programme besonders gelungen.

Natürlich bekommt man nicht immer alle Wunschveranstaltungen oder die idealen Termine, aber es ist wieder sehr viel geboten. Persönlich freue ich mich zum Beispiel auf Pam Pam Ida, Voodoo Jürgens und im Herbst auf Stephan Zinner mit einer musikalischen Lesung.

Außerdem fördern wir wieder gezielt Nachwuchskünstler – auch da lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Insgesamt ist viel los in Trostberg. Wer sagt, hier rührt sich nichts, liegt falsch. Es passiert eine Menge – nicht nur im kulturellen Bereich. Wer sich darauf einlässt und rausgeht, findet auch tolle Angebote.

narteo: Liebe Frau Dr. Steiner, danke für Ihre Zeit. Ich wünsche Ihnen für Ihre weitere Tätigkeit als Kulturleiterin viel Erfolg, inspirierende Projekte und weiterhin großes Engagement für das kulturelle Leben der Stadt.