Künstlerstammtisch Trostberg zeigt "Bunt" im PurVital Pflegezentrum
Am 14. November um 18:00 Uhr lädt der Künstlerstammtisch Trostberg zur letzten diesjährigen Ausstellung in das PurVital Pflegezentrum ein. Unter dem Arbeitstitel "Bunt" verwandelt der Künstlerstammtisch um Stefan Bauer das Pflegezentrum auf zwei Etagen in einen bunten Ort der Begegnung und präsentiert Kunst von Künstlern aus der Region.

Zu den Ausstellern zählen Stefan Bauer, Robert Fihs, Ariane Gschwindt, Hannelore Jahn-Hellesö, Ina Jonuleit, Heike Kießling, Geka Kless, Alexandra Limberger, Sergey Pavluchenko, Georg Reichhart, Susanne Steffen, Margit Stöger und Anna Traunthaler. Am darauffolgenden Sonntag, 15. November, ist die Ausstellung nochmal von 10:00 bis 17:00 Uhr für Publikum geöffnet.
Für all jene, die am Ausstellungswochenende verhindert waren, bietet der Künstlerstammtisch zusätzlich im Anschluss an folgenden Tagen eine kostenlose Führung im PurVital Pflegezentrum an:
- 21.11. – 14:00–16:30 Uhr
- 22.11. – 14:00–16:30 Uhr
- 28.11. – 14:00–16:30 Uhr
- 29.11. – 14:00–16:30 Uhr
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Ideengeberin – und selbst Mitglied im Künstlerstammtisch sowie Mitarbeiterin im PurVital Pflegezentrum – war Ariane Gschwindt. Im Rahmen der Planung zur Ausstellung wurde der Künstlerstammtisch mit offenen Armen durch die Heimleitung Alexander Jost und sein Team empfangen, und schnell entwickelte sich ein konkretes Konzept – auch durch die Teilnahme der Bewohner, die vor der Sommerpause mit eigenen Ideen beim Künstlerstammtisch-Monatstreffen zahlreich erschienen und so für zusätzliche Motivation bei den Organisatoren sorgten.
Besonders freut es die Organisatoren, dass im Rahmen der Vorplanung mehrere Interviews mit der Heimleitung und den Bewohnern geführt werden konnten, die noch lange in Erinnerung bleiben werden. Es zeigt, dass Kunst mehr als verbindet und am Ende eine große Gemeinschaft mit gleichen Zielen und Werten daraus entstehen kann, die tatsächlich etwas bewegt und verändert. Unter diesem inoffiziellen Motto lässt der Künstlerstammtisch im Folgenden an den Ideen und der Vorfreude der Menschen dahinter teilhaben.
#Im Gespräch mit der Heimleitung
Das PurVital Pflegezentrum veranstaltet vom 14.–15. November die erste uns bekannte Kunstausstellung in einem Pflegezentrum in Trostberg. Wie hat sich die Gelegenheit ergeben und welche Gefühle hat die Idee bei euch ausgelöst?
Ich bin über eines Eurer Mitglieder, welches in unserem Haus tätig ist, auf Euch aufmerksam geworden. Mein Wunsch ist es, das Haus für Externe zu öffnen. Kaum jemand außerhalb einer Pflegeeinrichtung weiß, was dort vor sich geht, und es herrschen so viele Vorurteile und negative Gerüchte über Pflegeeinrichtungen. Mein Ziel ist es, ein bisschen mit diesen negativen Vorurteilen gegenüber Pflegeeinrichtungen aufzuräumen und aufzuzeigen, dass es bei uns ganz schön ist. Am Anfang war da natürlich ganz viel Unsicherheit, da dies unser erstes Projekt in dieser Größenordnung ist. Aber nach einigen Treffen und Besprechungen wird nun immer klarer, wie die Kunstausstellung ablaufen kann, und wir freuen uns schon riesig darauf.
Euer Pflegezentrum bietet Raum für mehr als 100 Bewohnerinnen und Bewohner. Welche Umstellung, aber auch welche Chance bedeutet eine Ausstellung dieser Art in eurem Haus für eure Bewohnerinnen und Bewohner?
Für unsere Senioren bedeutet so eine Kunstausstellung vor allem eine weitere Abwechslung. So eine Veranstaltung hatten wir bis jetzt noch nicht im Haus. Möglicherweise stecken noch versteckte Talente in dem einen oder anderen, und es finden sich Kunstschaffende unter den Senioren ein. Vielleicht ist die nächste Vernissage dann eine Kombination aus externen und internen Künstlern … ? Offen wären wir für alles. Die Besucherstromlenkung wird sicherlich herausfordernd, da wir auf der einen Seite die Begegnungen fördern möchten, aber auf der anderen Seite die Privatsphäre der Senioren einhalten müssen. Die Besucher betreten ja den unmittelbaren Wohnraum unserer Senioren: Sie sind in den Gängen unterwegs, sehen Zwischenbereiche, Speisesäle und natürlich auch das Café. Der ein oder andere Besucher verirrt sich möglicherweise und muss dann zur Ausstellung zurückgebracht werden. Ich bin mir sicher, dass dies alles mithilfe des Künstlerstammtisches super geregelt werden kann.
Gibt es unter euren Bewohnerinnen und Bewohnern vielleicht auch Kunstschaffende? Wie wurde hier die Idee einer Ausstellung angenommen?
Wir haben auch Kunstschaffende unter den Senioren. Kunst, vor allem in Form von Liedgut und Gesang, ist ja für diese Generation besonders wichtig. Unsere Bewohnervertretung, die stellvertretend für alle Bewohner in unserer Einrichtung tätig ist, hat die Idee der Ausstellung begeistert angenommen.

13 angekündigte Künstler und über 50 Kunstwerke schmücken an einem Wochenende mehr als 200 m² Fläche eures Hauses. Vor welche organisatorischen Herausforderungen stellt euch diese Ausstellung?
Prinzipiell gehört es zu unserem Alltag, Festivitäten für mehr als 100 Senioren und deren An- und Zugehörige auf die Beine zu stellen. Diese Festivitäten sind jedoch auf wenige Stunden begrenzt, und der Teilnehmerkreis ist zwar groß, aber überschaubar. Da wissen wir, wie der Hase läuft. Mit der Kunstausstellung gibt es natürlich noch ein paar Unbekannte, die wir lösen müssen: Wie viele Gäste und Besucher kommen? Wie müssen wir die Einrichtung beschildern, damit sich niemand verläuft? Das wird bestimmt noch herausfordernd, ich bin mir aber sicher, dass alles gut laufen wird und diese Ausstellung den Besuchern und auch uns positiv in Erinnerung bleiben wird.
Welche positiven Effekte würdest du dir durch die Kunstausstellung in eurem Haus wünschen? Vielleicht auch mit einem nachhaltigen Effekt über das eigentliche Ausstellungswochenende hinaus?
Positiv würde ich es finden, wenn die Besucher sagen würden: „Ach, eigentlich gar nicht so schlecht hier drinnen…" Schön wäre es, wenn unsere tägliche Arbeit positiv wahrgenommen wird und auch sichtbar wird, dass es unseren Senioren hier in der Einrichtung gut geht. Natürlich ist es zuhause am schönsten, nur manchmal kann dieses Zuhause für den Einzelnen auch gefährlich und abschottend werden. Die Senioren profitieren von dem Gemeinschaftsleben, und ich höre täglich, wie gelacht und gesungen wird. Ich hoffe, dass wir das Bild des muffigen, dunklen Seniorenheims aus den Köpfen des ein- oder anderen Besuchers verbannen können. Dieses Haus ist lebendig und sprudelnd. Ich hoffe, dass wir genau dieses Gefühl auf die Besucher übertragen können.
#Der Heimbeirat
Der Künstlerstammtisch hat sich mit dem Heimbeirat getroffen und berichtet, wie weit die Planung der Vernissage ist. Es war dem Beirat eine große Ehre, bei dem Interview mitzumachen und für alle anderen Bewohner im Haus zu sprechen. Was ihnen, neben der Kunst, am wichtigsten ist, beschreiben sie folgendermaßen:

„Wir freuen uns so sehr, dass die Türen unseres Hauses für so eine Veranstaltung geöffnet werden. Und dass Menschen ein Seniorenheim betreten, die es sonst wahrscheinlich nicht tun würden. Das wird eine tolle Möglichkeit sein zu zeigen, dass es überhaupt nicht so schlimm in einem Heim ist, wie die Gesellschaft oft vermutet. Wenn wir mit Bekannten telefonieren, die zwar das gleiche Alter haben wie wir, aber noch daheim leben, können diese immer fast gar nicht glauben, was bei uns im Haus alles angeboten wird und woran wir teilnehmen können."
#Eine Bewohnerin greift wieder zum Pinsel
Eine der Bewohnerinnen war jahrelang kreativ tätig und malte mit Acryl auf Leinwänden. Das war allerdings zu der Zeit, als sie noch daheim leben konnte. Mit Einzug in das Haus verlor sie jedoch die Muse und hat von heute auf morgen aufgehört zu malen. Als der Heimbeirat ihr berichtete, dass eine Vernissage im Haus stattfinden wird, hat sie ihr ganzes Equipment ausgekramt und wieder begonnen zu malen. Vor allem sie freut sich schon riesig auf die Ausstellung und vor allem die Kunstwerke.

#Kreativität im Hausalltag
Generell ist man im Haus in vielen Bereichen kreativ, wobei sich das meist auf Handwerk und Handarbeit sowie Singen und Musizieren beschränkt, was sicher an der Generation der Bewohner liegt. Einmal pro Woche kommt außerdem eine zweite Klasse der Trostberger Grundschule zu Besuch. An diesem Termin lassen sich die Bewohnerinnen und Bewohner von der kindlichen Freude so anstecken, dass schon tolle Projekte mit Fingerfarbe, Acryl und Textilfarbe entstanden sind.
Abschließend bleibt zu sagen, dass alle – Bewohner sowie Mitarbeiter – total neugierig und gespannt auf die Vernissage sind und sich über eine weitere Abwechslung im Heimalltag freuen.